Die Molkerei Berchtesgadener Land lud ihre Bäuerinnen zu den traditionellen Molkerei-Kranzln ein. In vier regionalen Veranstaltungen informierten Vorstand, Geschäftsführung und Landwirtschaftsabteilung über die aktuelle Marktlage, strategische Entwicklungen und laufende Projekte der Genossenschaft. Außerdem gab es im Rahmen der Veranstaltungen Impulsvorträge über die Leistungen der heimischen Landwirtschaft und die Rolle der Milch beim Thema Darmgesundheit.
Gleich zu Beginn machte Vorstandsvorsitzender Andreas Argstatter deutlich: „Die Milch feiert ihr Comeback.“ Während hochverarbeitete Lebensmittel zunehmend in die Kritik geraten, achten Verbraucherinnen und Verbraucher wieder stärker auf kurze Zutatenlisten, Natürlichkeit und Herkunft. Das spiele der heimischen Kuhmilch in die Karten. Gleichzeitig steht die Branche unter Druck: Steigende Lebenshaltungskosten und wirtschaftliche Unsicherheiten lenken viele Konsumentinnen und Konsumenten in den Discount. Massive Rabattaktionen und Niedrigpreise – etwa bei Butter – bedeuten aus Sicht der Milcherzeuger jedoch eine erhebliche Entwertung des Produkts.
Trotz stabiler Markenentwicklung sieht sich die Genossenschaft mit einer schwierigen Situation konfrontiert: Die angelieferten Milchmengen liegen derzeit rund acht Prozent über Vorjahr. Diese Mehrmengen können nicht vollständig als Markenprodukte abgesetzt werden und müssen am Spotmarkt verkauft werden – zuletzt zu deutlich niedrigeren Preisen. Argstatter zeigte sich dennoch überzeugt: „Gerade in unsicheren Zeiten suchen Menschen Verlässlichkeit, Heimat und glaubwürdige Werte. Genau dafür steht unsere Molkerei.“
Ideale Futterbedingungen führen weltweit zu Übermengen
Geschäftsführer Bernhard Pointner analysierte die internationale Lage: Seit Mitte 2025 steigt die Milchanlieferung weltweit – begünstigt durch sehr gute Futterqualitäten und attraktive Erzeugerpreise. „Der gute Milchpreis ist oft der größte Feind des guten Milchpreises“, so seine Einschätzung. Die gestiegenen Mengen drücken nun europaweit auf die Auszahlungspreise. Politische Stützungsmaßnahmen seien angesichts der globalen Dimension kaum zu erwarten.
Mit Innovation und Markenkern gegensteuern
Positiv bewertet die Molkerei aktuelle Ernährungstrends wie Longevity, High Protein und den wachsenden Fokus auf Darmgesundheit. Darauf reagiert das Unternehmen mit Produktinnovationen – darunter ein fettarmer Bio-Demeter-Fruchtkefir, ein proteinreicher Bio-Skyr sowie laktosefreie H-Milch. Mit der Kampagne „Ich bin meinen Preis wert“ unterstreicht die Genossenschaft den Mehrwert regionaler Milch und Butter: Wer bewusst zu heimischen Markenprodukten greift, investiert bei durchschnittlichem Jahresverbrauch rund 1,20 Euro pro Woche mehr und sichert damit bäuerliche Familienbetriebe sowie die Pflege der Kulturlandschaft.
Nachhaltigkeit und Forschung im Fokus
Iris Beckert, Leiterin Landwirtschaft, berichtete über aktuelle Projekte. In einer gemeinsam mit der Technische Universität München durchgeführten Grünlandstudie zeigen erste Auswertungen, dass Grünland Humus nicht nur erhält, sondern auch aufbauen kann. Auch das Energieprojekt „Zukunftsbauer“ wird intensiv genutzt: Seit 2021 wurden rund 800 Maßnahmen auf etwa 300 Betrieben umgesetzt und über 2,2 Millionen Euro ausbezahlt. Bildungsangebote wie Wissenswerkstatt und Hofnachfolgetag stärken zusätzlich den genossenschaftlichen Austausch.
Impulse zu Landwirtschaft und Gesundheit
Ergänzt wurden die Veranstaltungen durch Fachvorträge. In Kirchberg sprach Anni Neudorfer vom Verein Land schafft Leben über Transparenz und Verbraucherbildung. Ziel ist es, die Qualität regional erzeugter Lebensmittel sichtbar zu machen und der wachsenden Entfremdung zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft entgegenzuwirken.
In Teisendorf und Bergen informierte ein Ärzteteam des Klinikums Traunstein über Prävention und moderne Therapie von Darmkrebs. Neue Leitlinien empfehlen den täglichen Verzehr von rund 400 Gramm Milch und Milchprodukten. Diese Menge kann das Darmkrebsrisiko deutlich um bis zu 14 Prozent senken.
In Bad Heilbrunn referierte die bekannte Münchner Ernährungsmedizinerin und Influencerin Dr. Luisa Werner zur Darmgesundheit. Sie betonte die Bedeutung ballaststoffreicher Ernährung, pflanzlicher Vielfalt und fermentierter Lebensmittel wie Joghurt oder Kefir. Stark verarbeitete Produkte mit langen Zutatenlisten sollten hingegen reduziert werden. Ihr Appell: zurück zu natürlichen, möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln.
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Eine ausführlichere Berichterstattung zu den einzelnen Impulsvorträgen liegt bei.


