Ökosystem Bauernhof
5. Juni 2021

Ökosystem Bauernhof

Wie der Schieferl-Hof der Familie Praxenthaler zum Erhalt der biologischen Vielfalt beiträgt 

Piding: Grasende Kühe, summende Bienen und blühende Streuobstwiesen: Der Bauernhof von Johann Praxenthaler, in der Nähe von Fridolfing im Rupertiwinkel gelegen, ist ein Beispiel für den Erhalt und die Förderung von Biodiversität in der Landwirtschaft. Passend zum Weltumwelttag am 5. Juni gibt der Landwirt der Molkerei Berchtesgadener Land einen Einblick in die Arbeit seines Milchviehbetriebes. Neben der Milchwirtschaft engagieren sich Praxenthalers mit eigenem Mischwald, Streuobstwiesen, Bienenvölkern sowie mit dem Anbau vielfältiger Gemüsesorten im Nutzgarten für mehr Artenvielfalt. Ein ganzheitliches Konzept, das den Bauernhof zu einem eigenen kleinen Ökosystem macht. Ermöglicht wird dies auch durch die Genossenschaftsmolkerei Berchtesgadener Land: Der faire und überdurchschnittliche Milchpreis der Molkerei honoriert die wertvolle Arbeit der Landwirte* und trägt so zum Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen wie dem Bauernhof von Familie Praxenthaler bei.

25 Kühe leben auf dem Hof des Ehepaars. Sie sind neben den Einkünften, die Johann Praxenthaler durch die Arbeit als Melkanlagenmechaniker verdient, die Basis für die Haupteinnahmequelle des Hofes: die Milch. Schon Praxenthaler Senior legte großen Wert auf einen ganzheitlichen ökologischen Ansatz in seinem Betrieb. Den Jungviehstall errichtete er 1964 direkt am Waldrand, der in Sichtweite nur ca. 500 Meter vom Hof entfernt liegt. „Die Jungtiere sind hier den ganzen Tag im Freien, was sich sehr positiv auf deren Gesundheit auswirkt. Für den Nachwuchs haben wir noch nie einen Tierarzt gebraucht“, erklärt Johann Praxenthaler. Krankheiten ihrer Kühe behandelt die Familie vorwiegend mit Homöopathie, ansonsten wird der Tierarzt gerufen. Bereits seit 2002 ist der Betrieb Teil der Genossenschaftsmolkerei Berchtesgadener Land. Zwei Jahre zuvor wurde der Hof auf Bio umgestellt und wird seither jährlich durch den Öko-Verband Naturland zertifiziert. Die ökologische Landwirtschaft ist für das Ehepaar Praxenthaler eine Lebenseinstellung: „Alles steht in Wechselwirkung zueinander, das zeigt sich auf unserem Hof ganz deutlich. Unsere Kühe zum Beispiel sind Landschaftspfleger: Morgens bzw. abends nach dem Melken gehen sie auf die angrenzenden Weiden, die rund um den Hof liegen und als Kurzrasenweide gehalten werden. Das ständige Abgrasen durch die Kühe trägt zu einer dichteren Grasnarbe bei und beugt gegen Trittschäden vor“, erklärt Praxenthaler. Bei den Wiesen, die zur Gewinnung für die Wintervorräte dienen, achtet der Landwirt ganz besonders auf eine stickstoffarme Düngung, indem er seine Gülle stark verdünnt. Damit schafft er ideale Voraussetzungen für artenreiche Wiesen mit einer großen Vielfalt an Gräsern und Kräutern. Diese sind wichtige Nahrungsquellen und Lebensraum für Bienen und andere Insekten. Auch beim Mähen nimmt Johann Praxenthaler Rücksicht auf Insekten und Co.: Zum einen dadurch, dass er außerhalb der Hauptflugzeiten der Insekten mäht. Zum anderen verzichtet er auf einen Aufbereiter (Anbaugerät zum Knicken der Halme), da hier das Risiko, dass Insekten und Bienen zerquetscht werden sehr hoch ist. „Bienen und andere Insekten sind unerlässlich für intakte Ökosysteme und müssen daher geschützt werden. Bei uns beispielsweise leisten sie als Bestäuber wichtige Arbeit auf den angrenzenden Streuobstwiesen und Gärten“, erklärt Johann Praxenthaler. Diese Lebensmittel kommen dann der Familie zugute – ein Kreislaufsystem mit Vorteilen für Mensch, Tier und Natur.

 

Vielfalt leben in der Genossenschaft

Der Beitritt in die Genossenschaft war für die Praxenthalers die richtige Entscheidung: „Bei der Molkerei Berchtesgadener Land steht die Gemeinschaft im Vordergrund. Die Wissenswerkstatt der Genossenschaft ermöglicht beispielsweise den Erwerb zusätzlicher fachlicher Kompetenzen, aber auch der Austausch untereinander wird gefördert“, so der Landwirt. Durch den fairen Milchpreis trägt die Molkerei zudem zum Erhalt der kleinbäuerlichen Strukturen zwischen Watzmann und Zugspitze bei. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Förderung der Biodiversität in der Region – und die Genossenschaftsmolkerei ist sich genau diesem Mehrwert, der durch die Arbeit der Landwirte bewusst und honoriert diese entsprechend.

*    Es sind stets Personen jeden Geschlechts gemeint; zur leichteren Lesbarkeit verwenden wir nur die männliche Form.

Bildunterschrift: 
Ca. 8 Monate im Jahr weiden die Kühe und Kälber der Praxenthalers auf den Wiesen. An den heißen Sommermonaten dürfen sie nachts auf die Weide und genießen tagsüber den kühlen Stall.

Bildquelle: Astrid Larsen
 

bsh

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