CO2 speichern durch Humusaufbau
24. settembre 2021

CO2 speichern durch Humusaufbau

Molkerei und Landwirte im Berchtesgadener Land machen mit beim Pilotprojekt für aktiven Klimaschutz in der Region

Piding: Es ist ein deutschlandweit erstmaliger Pilotversuch: Unternehmen und Landwirte aus dem Berchtesgadener Land engagieren sich für Klimaschutz, gesunde Böden und Humusaufbau. Ziel ist es, den Humusaufbau aktiv zu fördern und so zusätzliche Mengen an CO2 aus der Atmosphäre zu binden. Die Idee dahinter: Nicht zu vermeidende CO2-Emissionen sollten am besten dort kompensiert werden, wo sie emittiert worden sind. 1 Prozent mehr Humus pro Hektar bindet mindestens 50 Tonnen CO2, das ansonsten als klimaschädliches Gas in der Atmosphäre zum Treibhauseffekt beitragen würde.

Die Molkerei Berchtesgadener Land und weitere vier Unternehmen aus dem Landkreis beteiligen sich zusammen mit fünf Landwirten aus dem Landkreis Berchtesgadener Land an einem deutschlandweit erstmaligen Pilotversuch zur humusaufbauenden Bewirtschaftung von landwirtschaftlich genutzten Böden. Erreicht werden soll dies durch Maßnahmen hin zu einer regenerativen Landwirtschaft. Die Landwirte machen dazu Fortbildungen in Theorie und Praxis. Die Unternehmen finanzieren das Programm und vergüten nach drei Jahren den erreichten Humusaufbau bzw. die CO2 Speicherung finanziell. Gleichzeitig soll im Rahmen des Feldversuches nachgewiesen werden, in wie weit Humusaufbau die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens und die Nährstoffverfügbarkeit für die Pflanzen verbessert.

Initiiert wurde das Projekt von der Sparkasse Berchtesgadener Land, koordiniert wird es über Positerra. Die gemeinwohlorientierte Plattform bringt Unternehmen und Landwirte zusammen. Unternehmen werden Positerra-Paten und unterstützen damit Landwirte dabei, auf regeneratives Wirtschaften umzustellen. Fünf Unternehmen und fünf Landwirte haben dazu auf dem Biohof Lecker in Laufen gemeinsam mit Landrat Bernhard Kern sowie Christoph Fischer als Vertreter von Positerra eine Absichtserklärung zur Umsetzung unterzeichnet und eine symbolische Spatenprobe genommen.

Der Feldversuch läuft zunächst über drei Jahre. Ziel ist, durch Humusaufbau vermehrt CO2 in die Böden zu binden und weitere Vorteile für die Region zu erzielen (z.B. reduzierte Geruchsbelästigung durch Gülleausbringung) - Prognosen gehen dabei von rund 45 Tonnen Humus pro Hektar aus; jeder der Landwirte stellt fünf Hektar bereit. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist es Ziel aller Parteien die CO2-Bindung über das Pilotprojekt zu erhalten und nach Möglichkeit auszubauen.

Die beteiligten Unternehmen aus dem Berchtesgadener Land sind:

> Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG

> Sparkasse Berchtesgadener Land

> Berghotel Rehlegg

> Privatbrauerei M.C. Wieninger

> Stahlwerk Annahütte

 

Die drei Landwirte der Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land sind:

> Bernhard Rehrl aus Saaldorf-Surheim

> Stefan Huber aus Saaldorf-Surheim

> Philipp Lindner aus Teisendorf

Außerdem

> Josef Maltan aus Ramsau

> Dr. Johann Lecker aus Laufen

 

Bei regenerativer Landwirtschaft entsteht im Vergleich zu anderen Methoden deutlich mehr Humus im Boden. Humus fördert das Pflanzenwachstum, verbessert die Wasserspeicherfähigkeit, schützt damit gegen Extremwetterereignisse und bindet außerdem zusätzliches CO2.

"Klimaschutz ist wichtig für unseren Landkreis und darüber hinaus. Daher habe ich gerne die Schirmherrschaft für dieses zukunftsweisende Projekt übernommen, in der Hoffnung, dass dem Beispiel in den kommenden Jahren viele weitere Landwirte und Unternehmen aus unserem Berchtesgadener Land folgen werden", erklärt Landrat Bernhard Kern beim Projekt-Auftakt.

 

„Wir sind als Molkerei Berchtesgadener Land froh, mit unseren Bauern gemeinsam den regionalen Klimaschutz voranzubringen. Wenn das durch die Förderung von Bodenbelüftung, Bodenleben und einer guten Güllebearbeitung gelingt, ist das ein wichtiger Schritt die sogenannte regenerative Landbewirtschaftung bei uns in die Grünlandwirtschaft zu integrieren“, ist Sylvia Schindecker, Leiterin der Abteilung Landwirtschaft überzeugt.

"Wir als Sparkasse verstehen uns nicht nur als Finanzierungspartner, sondern als Begleiter in Zukunftsfragen von Privatpersonen und Unternehmen in unserem Landkreis. Dementsprechend sind wir stolz darauf, dass wir dieses bundesweit erste Projekt dieser Art zu uns in die Region holen konnten", kommentiert Helmut Grundner, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Berchtesgadener Land.

"Für eine enkeltaugliche Zukunft müssen wir nicht nur weniger CO2 ausstoßen, sondern bildlich gesprochen auch nicht-vermeidbare Emissionen wieder einfangen. Humusreiche Böden sind dazu ein extrem wichtiger Beitrag. Denn sie binden viel CO2 - und das nicht irgendwo am anderen Ende der Welt, sondern hier bei uns. Die Spatenprobe heute ist ein kleiner Schritt für uns - aber ein großer Schritt für den Klimaschutz", kommentiert Christoph Fischer, Mitgründer von Positerra.

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Feldtag zur regenerativen Landwirtschaft im Berchtesgadener Land

Im Anschluss an den Spatenstich zum Start des Projektes folgte der erste Feldtag auf dem Biohof Lecker in Laufen. Dabei gingen die beiden Referenten Christoph Fischer von EM-Chiemgau und der Pflanzenexperte Dietmar Näser der Frage nach: Humusaufbau fördern – wie geht das? Der Fokus lag auf den Auswirkungen der Bodenverdichtung durch mechanische Belastung von Traktor, Maschinen und auch den Weidetieren. Denn verdichteter Boden behindert den Humusaufbau. Im ersten Schritt wurden daher Methoden zur Ermittlung des Grads der Bodenverdichtung vorgestellt: Die Spatenprobe und eine Messmethode für die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens.

Im Folgenden wurden die Auswirkungen der Bodenverdichtung auf Sauerstoffgehalt und Mikrobenarten im Boden veranschaulicht und Maßnahmen gezeigt, die zur Verbesserung beitragen können. Denn Humusaufbau geht nur mit der richtigen Bodenfauna, also mit den Bodenlebewesen.

Weiterer Schwerpunkt war die Aktivierung von Gülle als wichtigsten Nährstoffdünger im Grünland. Aktivkohle und Gesteinsmehl binden Nährstoffe, verhindern das Versickern in tiefere Bodenschichten und senken zu dem die Geruchsbelästigung bei der Gülleausbringung. Und je mehr Nährstoffe aus der Gülle in den oberen Bodenschichten verfügbar bleiben, desto aktiver der Boden, desto besser das Pflanzenwachstum, desto besser die Wurzelbildung und schließlich die Humusbildung und desto besser auch für unser Grundwasser.

Mit vielen praktischen Tipps und fachlichem know how ging ein sehr informativer Feldtag zu Ende.

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*Es sind stets Personen jeden Geschlechts gemeint; zur leichteren Lesbarkeit verwenden wir nur die männliche Form.

Bildtext:
(1) Beim offiziellen Spatenstich zum Auftakt des regionalen Humusaufbau-Projekts - von links nach rechts: Sylvia Schindecker (Leiterin Bereich Landwirtschaft der Molkerei Berchtesgadener Land), die Landwirte Bernhard Rehrl, Philipp Lindner und Stefan Huber, Christian Wieninger (Geschäftsführer der Privatbrauerei Wieninger), Bernhard Kern (Landrat und Schirmherr des Projekts), Johannes Lichtmannegger (Geschäftsführer vom Berghotel Rehlegg), Helmut Grundner (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Berchtesgadener Land), Dr. Johann Lecker (Demeter-Landwirt und Inhaber vom Biohof Lecker) sowie die Referenten/Mitbegründer von Positerra Dietmar Näser und Christoph Fischer.

(2) Beim offiziellen Spatenstich zum Auftakt des regionalen Humusaufbau-Projekts - von links nach rechts: Landwirt Bernhard Rehrl, Bernhard Kern (Landrat und Schirmherr des Projekts und Sylvia Schindecker (Leiterin Bereich Landwirtschaft der Molkerei Berchtesgadener Land).

Bildquelle: Molkerei Berchtesgadener Land

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