Bäuerinnen informieren sich über Molkerei
2. marzo 2020

Bäuerinnen informieren sich über Molkerei

Außerdem: Fach-Vorträge zu Klimaschutz in der Landwirtschaft und Fortbildung zur Erlebnisbäuerin

Piding: „Landwirtschaft ist nicht gleich Landwirtschaft.“ Das betonten auf den Info-Veranstaltungen für die Bäuerinnen der Molkerei Berchtesgadener Land der Vorstandsvorsitzende Andreas Argstatter sowie Geschäftsführer Bernhard Pointner. Und das soll ab Mitte des Jahres der neue Film der Molkerei sowie die neu gestalteten Führungen im Betrieb gleichermaßen aufzeigen. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft in der Bergregion und die Gesellschaft einander wieder näher zu bringen, ist erklärtes Ziel der Genossenschaft. Kinder sollen „Bauernhof“ wieder erleben können, die Molkerei unterstützt die Landwirte bei dem Angebot heuer ganz gezielt – der Fachvortag „Erlebnis Bauernhof“ vertiefte das Thema. Kernthema der Molkerei im neuen Jahrzehnt bleibt die Nachhaltigkeit: Auch hier setzt die Molkerei auf Aufklärung. Werkstudentin Magdalena Kollmann präsentierte das Thema ihrer Bachelorarbeit und erklärte, warum die Kühe in der Bergregion wichtig für den Klimaschutz sind (siehe Infokasten).

Insgesamt 801 Bäuerinnen aus dem Milcheinzugsgebiet zwischen Watzmann und Zugspitze waren der Einladung nach Schönau, Teisendorf, Siegsdorf, Lenggries und Kirchberg/Mattighofen gefolgt. Vorstand und Geschäftsführung berichteten dort über die Entwicklung des Milchmarktes und der Molkerei. Vorstandsvorsitzender der Molkereigenossenschaft Andreas Argstatter begrüßte die zahlreich erschienenen Bäuerinnen. War das vergangenen Jahrzehnt für ihn geprägt von den Themen Marktliberalisierung, Ende der Milchquote und Milchpreiskrise, steht das neue Jahrzehnt im Zeichen der Nachhaltigkeit. Die Landwirtschaft muss Lösungen für den von Politik und Gesellschaft geforderten Klima-, Boden- und Artenschutz sowie für höhere Tierwohlstandards finden. Argstatter ist überzeugt, dass Nachhaltigkeit das Potenzial hat, die Landwirtschaft in Deutschland in den nächsten Jahren massiv zu verändern. Und er ist erleichtert, dass die Molkerei der Branche bereits heute einen großen Schritt voraus ist: Angefangen beim Verzicht auf Gentechnik und Totalherbiziden wie Glyphosat, der Förderung von mehr Tierwohl durch Bewegung oder der stetigen Ausweitung der Bio-Landwirtschaft, die heute schon über 30% der Betriebe im Einzugsgebiet betreiben. Letztlich hätten diese Maßnahmen dazu beigetragen, dass die Molkerei auch in 2019 wieder überdurchschnittliche, faire Milchpreise* (vgl. hierzu Milchpreistabelle anbei) auszahlen konnte.

Nachhaltig handeln, Ansehen gewinnen
„Wie in der Vergangenheit, werden wir auch jetzt nicht auf Vorlagen der Politik und der Verbände warten, sondern weiterhin selbstbewusst unseren eigenen Weg gehen“, machte Argstatter deutlich. Molkerei und Landwirte müssten künftig noch enger zusammenarbeiten, um der Gesellschaft die Leistungen, die Landwirtschaft entlang der Alpenkette für Artenvielfalt, Umwelt und Naturschutz erbringt, aufzuzeigen. „Gemeinsam mit euch wollen wir im neuen Jahr das Ansehen unserer Landwirtschaft verbessern“, verdeutlichte er den Bäuerinnen. Er griff das Beispiel von Hofbesichtigungen für Kinder heraus. „Nur was man kennt, kann man auch schätzen.“

Mit fairen Preisen zum Marktführer
Mit der Wertschätzung der Arbeit, die die Bäuerinnen tagtäglich auf den Höfen leisten, startete auch Geschäftsführer Bernhard Pointner seinen Bericht. Dass sich die Mühe lohnt, zeigen einige Zahlen eindrucksvoll: So werden pro Sekunde Öffnungszeit der Supermärkte in Deutschland 24 grüne und 7 Bioprodukte zu Premiumpreisen verkauft. 332 Millionen Liter Milch, die auf den Höfen zwischen Watzmann und Zugspitze gemolken werden, konnten erfolgreich verkauft werden. Und die Bauern der Genossenschaftsmolkerei konnten für die aufwändige Erzeugung der Milch in der Bergregion von der Molkerei fair bezahlt werden. 138 Millionen Euro Milchgeld hat die Molkerei 2019 und wie seit Jahren dabei wieder den höchsten Milchpreis in ganz Deutschland und Österreich ausgezahlt. War Berchtesgadener Land laut Pointner noch vor wenigen Jahren ein regionaler, bayernlastiger Milchproduktehersteller, ist sie heute die führende Premiummarke: bayernweit Marktführer bei Frischmilch und bei Sahne sogar deutschlandweit. Ziel sei dabei nie gewesen als Unternehmen besonders groß zu werden, erklärte der Geschäftsführer und betonte: „Wir wollen ein sozialer und sicherer Arbeitgeber sein, wollen für unsere Bauern ein verlässlicher Partner für die Zukunft sein und für unsere Kunden ein nachhaltiger Lebensmittelhersteller; der Umwelt- und Tierschutz ernst nimmt.“

Dabei sieht die Molkerei einige Herausforderungen auf die Branche zukommen: Konjunkturflaute, ändernde Ernährungsgewohnheiten, Handelshemmnisse durch Strafzölle und nicht zuletzt der Brexit bringen laut Pointner zusätzlichen Druck in den deutschen Milchmarkt. Doch die Molkerei ist gut gerüstet, gab sich der Geschäftsführer zuversichtlich: „Wir erfüllen Kundenwünsche und stellen uns den gesellschaftlichen Veränderungen.“ So geht es mit noch mehr umweltfreundlichen Verpackungen weiter: Durch den kompletten Verzicht auf Plastikstülpdeckel und die Umstellung weiterer Produkte auf umweltfreundliche 2-Komponentenbechern werden 137 Tonnen Plastik jährlich gespart. Pointner ist überzeugt, dass es der richtige Schritt ist und war, die gesamte Molkerei im Sinne von nachhaltigem Wirtschaften auszurichten. Er betonte die Wichtigkeit, Kinder und Jugendliche auf die Höfe zu holen, um ihnen zu zeigen, was kleinbäuerliche Landwirtschaft im Gegensatz zu Massenbetrieben heißt. Die Molkerei unterstützt die Hofführungen mit neuen wetterfesten Infobannern und modernisiert und emotionalisiert gleichzeitig ihre hausinternen Führungen.

Glas in Sicht, Demeter gesucht
Außerdem investiert die Molkerei weiter. In der derzeit im Bau befindlichen neuen Produktionshalle in Piding bringt zukünftig eine  neue Flaschenabfüllanlage wieder mehr Kapazität für Glas. Die Nachfrage nach Bergbauern-Milch und vor allem Demeter-Milch in der Mehrwegflasche steigt weiter, informierte Pointner die Bäuerinnen und ging in dem Zusammenhang darauf ein, dass Berchtesgadener Land weitere Demeter-Bauern sucht. Der Zuschlag für Demeter Milch wurde auf nun 2 Cent zur Naturlandmilch erhöht. Weil Demeter aber nie eine rein wirtschaftliche Entscheidung sei, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung, setze die Molkerei zusätzlich auf eine unkomplizierte, persönliche Beratung und Betreuung.

Realistisches Bild bayerischer Landwirtschaft
Arbeit und Leben auf dem Hof sollen Landwirte Kindern und Jugendlichen künftig verstärkt vermitteln. Landwirtschaft und Gesellschaft wieder näher zusammenzubringen ist auch das Anliegen des vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten angebotenen geförderten Lernprogramms „Erlebnis Bauernhof – lernen, erleben, aktiv sein“. Sieglinde Pollan vom Landwirtschaftsamt in Ebersberg stellte den Bäuerinnen das Programm kurz vor. Ziel des Programmes sei es, jedem Grundschulkind in Bayern kostenfrei einen Bauernhofbesuch zu ermöglichen. So sollen ein realistisches Bild der bayerischen Landwirtschaft und deren Bedeutung für die ganze Gesellschaft, die Wertschätzung für heimische Lebensmittel und ein bewusster Umgang mit der Natur vermittelt werden. Dazu werde die Fortbildung "Fit für das Programm Erlebnis Bauernhof" angeboten. Kern der Kurse sei die Vermittlung der Landwirtschaft mit Kopf, Herz und Hand und schließe die aktive Mitarbeit der Kinder und ein Erleben mit allen Sinnen ein.

Am Ende der Veranstaltungen konnte Pointner einen gelungenen Nachmittag mit zahlreichen Informationen und anregenden Diskussionen abschließen und wünschte allen Beteiligten ein erfolgreiches neues Milchwirtschaftsjahr.
 

Bildunterschrift: über 800 Bäuerinnen informieren sich aus erster Hand vom Vorstandsvorsitzenden Andreas Argstatter (im Bild) und Geschäftsführer Bernhard Pointner auf den diesjährigen Informationsveranstaltungen über die aktuelle Situation ihrer Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land.

Bildquellen: Molkerei Berchtesgadener Land

Was hat Weidehaltung mit Klimaschutz zu tun?

Magdalena Kollmann, Studentin des Agrarmanagements in Weihenstephan und seit Anfang 2018 als duale Studentin in der Molkerei beschäftigt, berichtete über die Zusammenhänge von Weidehaltung und Humusbildung sowie deren positive Auswirkungen auf unser Klima. Kollmann schreibt derzeit ihre Bachelorarbeit zum Thema Landwirtschaft und Klimaschutz. Ausgangspunkt für ihr Thema war das von der Bundesregierung festgelegte Klimaschutzprogramm 2030, in dem die Land und Forstwirtschaft als einzige Branche benannt wird, die neben CO2 Ausstoß auch CO2 aktiv speichern kann. Denn einer der großen CO2 Speicher ist der Humus. So sind in einer zusätzlichen Tonne Humus 1,8 Tonnen CO2 gespeichert. Was vielen nicht bekannt ist: Grünland enthält mehr Humus als Ackerflächen und Kühe auf der Weide fördern den Humusaufbau aktiv. So werde durch die Bisse und Tritte der Kühe das Graswachstum angeregt und durch die Unterstützung des Bodenlebens ein gesundes Boden-Tier-Luft-System gefördert. Letzteres ist die Grundlage für Aufbau von Humus. Futter, das nicht gemäht, geerntet und zum Hof gefahren werden muss und Gülle, die bereits auf der Wiese anfällt, sparen außerdem Transportenergie und die Böden werden nicht durch schwere Fahrzeuge verdichtet.

Unter diesem Aspekt ist die seit 2017 eingeführte Weideprämie, die die Molkerei an die Landwirte zahlt, ein Beitrag zu mehr Tierwohl und Klimaschutz. Inzwischen treiben über 1000 Betriebe im Einzugsgebiet der Molkerei ihre Kühe auf die Weide und rund 75% der dort genutzten landwirtschaftlichen Fläche sind laut statistischem Landesamt Grünland. Unter diesen Aspekten trage die Milcherzeugung in der Bergregion aktiv zum Klimaschutz durch CO2 – Bindung bei. Erste wissenschaftliche Studien der Christian-Albrechts-Universität in Kiel konnten zudem nachweisen, dass eine kräuterreiche Fütterung wie sie in der Bergregion die Regel sei, den Methanausstoß der Kühe reduziere.
Um die Zusammenhänge zukünftig mit belastbarem Datenmaterial zu unterlegen sucht die Studentin aktuell Betriebe, die am geplanten Projekt zur CO2-Bilanzierung mitarbeiten wollen. So soll genau berechnet werden, wie die CO2-Bilanz pro Liter erzeugter Milch in der Bergregion wirklich ist. Damit soll die Aussage „Die Kuh ist kein Klimakiller: Kühe im Grünland fördern Humusaufbau und helfen CO2 zu binden.“ mit Daten und Fakten untermauert werden.

 

Aktuelle Milchpreise der Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land:


Bergbauernmilch:

40,50 (*44,83) ct/kg


Konventionelle Milch:

39,50 (*43,73) ct/kg

 

Im Milchpreis für Bergbauern-Milch und konventionelle Milch sind folgende Prämien integriert: 

  • + 1,5 Cent/kg Weideprämie
  • + 1,0 Cent/kg Auslaufprämie
  • + 1,0 Cent/kg Laufstallprämie


Bio-Naturland-Milch: 

51,00 (*54,24) ct/kg


Bio-Demeter-Milch:

52,50 (*55,91) ct/kg

 

Im Milchpreis für Bio-Milch (Demeter/Naturland) sind folgende Prämien integriert:

  • +2 Cent Winterzuschlag

* Jahresdurchschnitt 2019 (Januar - Dezember), inkl. landwirtschaftlicher Vorsteuer von 10,7% bei 4,0% Fett, 3,4% Eiweiß.

 

bsh

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